Zwischen Digitalisierung und Begegnung: Warum sich die Veranstaltungsbranche neu erfinden muss

Günter Dull über die Zukunft der Veranstaltungsbranche

Zwischen Digitalisierung und Begegnung: Warum sich die Veranstaltungsbranche neu erfinden muss

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich die Veranstaltungsbranche grundlegend verändert. Firmenevents, Roadshows und künstlerisch geprägte Live-Formate, die früher als selbstverständlicher Bestandteil von Markenkommunikation und Mitarbeiterbindung galten, sind deutlich zurückgegangen. Parallel dazu hat sich der Trend zu hybriden und digitalen Formaten massiv verstärkt – mit spürbaren Auswirkungen auf die Qualität persönlicher Begegnungen.

 

Ökonomische Faktoren als zentraler Treiber

Einer der wichtigsten Gründe für diesen Wandel liegt in der Kostensituation vieler Unternehmen. Steigende Ausgaben für Personal, Mieten, Energie und globale Lieferketten haben dazu geführt, dass Budgets für Marketing und Events häufig beschnitten werden. Live-Veranstaltungen gelten als besonders kostenintensiv, da sie Planungssicherheit, Logistik, Personal vor Ort und oftmals externe Dienstleister erfordern. Der Verzicht auf Künstler oder Live-Acts ist daher ein schneller Hebel zur Kostenreduktion.

Gleichzeitig hat die wirtschaftliche Unsicherheit, befeuert durch Finanzkrisen, geopolitische Spannungen und volatile Märkte, eine vorsichtigere Investitionskultur geschaffen. Unternehmen bevorzugen planbare, skalierbare Formate – und diese finden sie eher in digitalen oder hybriden Lösungen.

 

Digitalisierung als Katalysator

Der technologische Fortschritt hat zudem neue Möglichkeiten eröffnet, Zielgruppen ohne räumliche Einschränkungen zu erreichen. Streaming, virtuelle Plattformen und interaktive Tools bieten eine Effizienz, die viele Entscheider überzeugt. Ein hybrides Event lässt sich mehrfach verwerten, global ausspielen und datengetrieben auswerten.

Allerdings hat diese Entwicklung auch Schattenseiten. Die emotionale Kraft physischer Begegnungen wird digital nur bedingt simuliert. Netzwerkgespräche, nonverbale Kommunikation und spontane Interaktionen sind zentrale Erfolgsfaktoren klassischer Events – und sie bleiben in digitalen Räumen trotz aller Innovationen oft auf der Strecke.

 

Veränderte Erwartungen der Teilnehmenden

Auch das Verhalten der Zielgruppen hat sich verändert. Viele Mitarbeitende und Kundinnen erwarten flexible Teilnahmeoptionen, sei es aus Zeitgründen, aus Nachhaltigkeitsmotiven oder aufgrund neuer Arbeitsmodelle. Homeoffice und Remote Work haben die Bereitschaft für Reisen zu eintägigen Veranstaltungen reduziert. Hybride Events erscheinen daher als zeitgemäßer Kompromiss, auch wenn die Tiefe der Begegnung darunter leidet.

 

Der Blick nach vorn: Renaissance der Begegnung?

Trotz des anhaltenden Trends zur Digitalisierung deutet vieles darauf hin, dass Live-Formate künftig wieder an Bedeutung gewinnen werden – allerdings nicht im alten Stil. Statt großer, massenhafter Firmenevents entstehen derzeit neue, kuratierte Formate, die stärker auf Qualität setzen: kleinere Gruppen, intensivere Workshops, immersive Erlebnisse und maßgeschneiderte Markenwelten.

Zudem wächst der Wunsch nach echtem Austausch. In einer Welt voller virtueller Meetings gewinnt die physische Begegnung wieder emotionale Relevanz. Unternehmen, die Vertrauen, Kultur und Identität stärken wollen, werden auf gut gestaltete Live-Erlebnisse nicht verzichten können.

Die Zukunft der Branche liegt daher in der intelligenten Kombination aus Effizienz digitaler Technologien und der unverzichtbaren Stärke menschlicher Nähe. Erfolgreich wird, wer beide Welten sinnvoll verbindet – ohne den Kern echter Begegnung aus den Augen zu verlieren.

 

Zum Autor Günter Dull:

Als Eventexperte und Eventsachverständiger hat Günter Dull seit Gründung der Dull Entertainment GmbH im Jahr 1984 über 4000 MICE-Projekte (Meetings, Incentives, Conventions, Events) für mittelständische und große Unternehmen im In- und Ausland kreiert, geplant und erfolgreich realisiert.

Die Dull Entertainment GmbH ist Unterzeichner der Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit (WIN) des Landes Baden-Württemberg und realisiert bevorzugt nachhaltige Events und Meetings in grün zertifizierten Locations, nachhaltigen Städten, mit regionalen Produkten, Dienstleistern und Lieferanten. Ein Nachhaltigkeitskonzept gehört zu jeder Planung dazu.