Entsendevorbereitung mit Lego® und Kindern – eine spannende Herausforderung

Elke Müller über die Entsendevorbereitung mit Lego und Kindern.

Entsendevorbereitung mit Lego® und Kindern – eine spannende Herausforderung

Interkulturelle Trainings zur Entsendevorbereitung sind bei vielen Unternehmen ein Muss vor der Ausreise. Auch wir bei der compass international gmbh führen viele dieser Trainings durch, meist sind es sehr individuelle Workshops für Einzelpersonen, Paare oder Familien. Das Besondere ist, dass dabei sehr auf die jeweiligen individuellen Bedürfnisse der Teilnehmenden eingegangen werden kann. Berufliche Aspekte wie Führung, die besondere Rolle als Expat sind in allen Trainings ein Thema und auch persönliche Fragen zur sozialen Integration spielen eine große Rolle. Entsendungen, bei denen eine Familie für mehrere Jahre ins Ausland geht, sind nochmal sehr besonders und so sieht auch die interkulturelle Vorbereitung anders aus als bei Singles oder Paaren ohne Kinder.

 

Was ist also anders, wenn Kinder dabei sind?

Dass Kinder teilnehmen, ist leider noch nicht für jeden Auftraggeber selbstverständlich und wird oft gar nicht mitangefragt. Erst während der Bedarfsklärung mit den Teilnehmenden erfahren wir, dass hier eine komplette Familie zum Beispiel nach China umzieht und nicht nur ein Paar. Ab diesem Zeitpunkt planen wir dann ein etwas anderes Training! Denn wenn man das Setting entsprechend gestaltet, können Kinder schon ab dem Kindergartenalter einbezogen werden, wichtiger ist eine Teilnahme für Schulkinder und Jugendliche, da diese schon ganz eigene Fragestellungen auf der Agenda haben. Das sind Themen wie der Umgang mit der anstehenden Trennung von Freunden und Familie, Reisemöglichkeiten vor Ort, das Weiterverfolgen eigener Hobbies, die lokale Küche, Alltags- und Freizeitgestaltung, Fragen, wie Schule im Gastland läuft, und ob sie sich selbständig und frei im Gastland bewegen können. Kinder und Jugendliche haben ihren eigenen Blick auf die Welt und wollen diesen auch mitteilen. Die Offenheit vieler Kinder gegenüber anderen Kulturen ist berührend, sie sind häufig neugierig, interessiert und möchten viel Neues lernen. Der Auslandsaufenthalt bedeutet vor allem, ihre Kontakte gut ausbalancieren, nämlich neue Freunde vor Ort zu finden, aber auch die Kontakte in der alten Heimat pflegen. Denn irgendwann geht es ja wieder zurück!

Für Familien mit Kindern gibt es eine Vielfalt an Methoden und Materialien. Für Kinder jeden Alters existieren geeignete Bücher, die spielerisch einen Auslandsaufenthalt thematisieren. Diese Bücher können sie allein, teils mit den Eltern lesen. Und natürlich länderspezifische Literatur, die vor allem für Schulkinder und Jugendliche von Interesse ist. Der Alltag in der neuen Heimat und Hobbies interessieren Kinder und Jugendliche besonders. Da sind Tipps für Apps und Online-Plattformen, die in China genutzt werden, sehr willkommen! Kinder recherchieren im Training dann eifrig, ob zum Beispiel westliche Frühstücks-Cerealien in Shanghai erhältlich sind oder wo sie künftig Fußball spielen könnten.

Zu jeder Entsendevorbereitung gehört die Reflektion über einem bewussten Umgang mit Stereotypen und Vorurteilen. Diese sind erstaunlicherweise häufig eher im Umfeld der Entsendeten zu finden als in den Familien selbst! Daher ist es gut zu wissen, mit welchen Erwartungen zum Beispiel Chinesen im Umgang mit Deutschen haben oder mit welchen Stereotypen die Kinder vielleicht in einer internationalen Schulklasse konfrontiert werden und welche sie selbst mitbringen. Und auch ernste Themen wie der Umgang mit einem „Kulturschock“ stehen auf der Agenda, es gehört dazu, offen Ängste und Befürchtungen ansprechen zu dürfen, um aus einem „Kulturschock“ letztendlich eine positive Erfahrung werden zu lassen.

Und hier können nun Lego®-Klötzchen ins Spiel kommen! Mit Lego® Serious Play® lassen sich Ziele und Pläne, Wünsche und Hoffnungen genauso wie Ängste und Bedenken im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar machen. Die Methode folgt in der Regel einem bestimmten Prozess: Fragestellung entwickeln, Bauen mit den Steinen, Erzählen, was man dargestellt hat, und am Ende steht das Reflektieren darüber.

Wichtig ist beim Einsatz in Familientrainings, dass alle einander zuhören, die Kinder nicht unterbrochen werden, und am Ende nichts kommentiert oder bewertet wird. Hier kommen die Trainer*innen ins Spiel, um einen geschützten Raum in einer entspannten Atmosphäre zu schaffen, in dem alle Familienmitglieder ihre persönlichen Wünsche und Ziele für die Zeit im Ausland zum Ausdruck bringen konnten. Dabei tauchen immer wieder neue Aspekte auf, die den Eltern oft noch gar nicht bewusst waren! Wichtig ist, dass alle Beteiligten die gleiche Zeit haben, die eigene Sichtweise darzustellen und zu beschreiben.

Optimal ist es, wenn für ein Familientraining mehr Seminarzeit zur Verfügung stehen als bei einem Workshop für Einzelpersonen oder Paare. Hier stehen berufliche Aspekte einer Entsendung im Vordergrund. Genau diese sollten auch bei einer Entsendung mit Familie noch zu kurz kommen, denn mindestens ein Familienmitglied hat neue berufliche Herausforderungen zu meistern. Daher bauen wir Familientrainings in der Regel so auf, dass an einem Tag die beruflichen Themen und damit der Entsendete im Fokus steht und an einem zweiten Tag die gesamte Familie und damit die persönlichen Themen und die soziale Integration.

Eine Auslandsentsendung ist ein Familienprojekt, bei dem jedes Familienmitglied gleichberechtigt eingebunden werden muss. Daher finden wir, dass es eine Selbstverständlichkeit sein sollte, Kinder und Jugendliche in ein Entsendetraining zu integrieren! Und dass die ganze Familie ihre Freude, Befürchtungen, Erwartungen und Ziele gemeinsam mit bunten Steinen sichtbar und begreifbar machen kann!

 

Zur Autorin:

Elke Müller und ihre compass international gmbh sind seit über 25 Jahren Ansprechpartner*innen für kultursensible und diversitätsbewusste Themen in der Personalentwicklung, als Beraterin zeigt sie ihren Kund*innen, wie die Rekrutierung, das Onboarding und die Integration internationaler Fach- und Führungskräfte gelingt oder wie Diversität zu einem Erfolgsfaktor wird.

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